Sam Bimmermann

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Promotionsvorhaben
Ethik der Undienlichkeit: Subjektwerdungsprozesse zwischen rechtsextremer Affektpolitik und Klimakrise. Ein theologisch-psychoanalytischer Entwurf
In meinem Promotionsprojekt entwickle ich einen interdisziplinären Ansatz im Dialog von politischer Mystik und psychoanalytischer Kulturtheorie. Gegenstand der Überlegungen ist die Frage der Subjektwerdung im Kontext von rechtsextremer Affektpolitik und Klimakrise.
Ausgehend von einem theologisch-psychoanalytischen Subjektbegriff, der im Anschluss an Paul Tillichs und Jacques Lacans Auseinandersetzung mit dem Begriff der Entfremdung entwickelt wird, wird die Rolle des Affektes Angst in Subjektwerdungsprozessen hinsichtlich ihrer gesellschaftspolitischen Dimension reflektiert. Diese wird im Zusammenhang mit resultierenden ‚Glaubensmustern‘ und ‚Ontologie-Produktionen‘ im Sinne einer Ideologiekritik als Ontologie-Kritik weiter ausdifferenziert. Im Anschluss an Dorothee Sölle entwickelt die Arbeit darauf aufbauend eine kritische Perspektive auf das Verhältnis von Ontologie und Mystik und fragt nach der gegenwärtigen ethischen Relevanz politischer Mystik.
Ziel der Arbeit ist es das emanzipatorisch-transformatives Potenzial politischer Mystik im Kontext von Subjektwerdungsprozessen zu untersuchen. Die (selbst-)kritische Perspektive auf Verflechtungen christlicher Theologien und rechtsextremer ‚Glaubensmuster‘ in der gegenwärtigen politischen Landschaft wird dabei als zentral verstanden – nicht zuletzt hinsichtlich der scheinbaren Alternativlosigkeit des fortschreitenden ökologischen Kollapses.
Dafür bietet der interdisziplinäre Zugang den theoretischen Rahmen und exploriert in der interdisziplinären Gegenüberstellung zugleich die Rolle des ‚Mystischen‘ in der Psychoanalyse: Das Subjekt des Unbewussten als ethisch verfasst zu verstehen, bedeutet die Dekonstruktion dichotomer Kategorien von Innen und Außen, Selben und Anderen, Natur und Kultur: Das ethische Subjekt oszilliert zwischen mystischem Selbst-Verlust, ‚Extimität‘ (Lacan), und wiedergewonnener Agency – ‚Undienlichkeit‘ –im Sinne einer Übereinstimmung von ‚Sein und Handeln‘ (Sölle), verflochten mit seiner menschlichen wie nicht-menschlichen Umwelt.