Feld 1: Politische Leitperspektive
In welcher Weise prägen (post-)koloniale Umbruchserfahrungen und unterschiedliche Zeitkonzepte – z.B. die europäischen Deutungen der muslimischen Moderne oder die Regimewechsel in Deutschland im 20. Jahrhundert – die politische Rolle religiöser Akteur:innen und ihre Versuche, soziale Kohäsion jenseits institutionalisierter Politik neu zu gestalten? Wie entwickeln, reflektieren und begründen religiöse Gemeinschaften in Zeiten von politischen (Um)Brüchen ihre Positionen, Handlungsweisen und symbolisch-praktischen Ausdrucksformen, um Krisen zu deuten, neue Orientierungen anzubieten und sich im „Politischen" als offenem Gestaltungsraum zu verorten? Welche Dynamiken entfalten sich im Kontext gewaltsamer Konflikte und Kriege, wenn sich religiöse Identitäten, Praktiken und Rhetoriken verändern, interreligiöse Beziehungen neu ausgehandelt werden und Religionsgemeinschaften über Mediations- und Integrationsleistungen z.B. im Umgang mit Geflüchteten zur Stärkung sozialer Kohäsion beitragen? Inwiefern werden durch die intertheologische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Krisenerzählungen und Fortschrittsnarrativen dominante europäische oder islamische Deutungsansprüche relativiert, und wie kann ein solch transnationaler Dialog zur kritischen Neujustierung der politischen Rolle von Religion im öffentlichen Gestaltungsraum beitragen?