Feld 3: Ökologische Leitperspektive
Die ökologische Leitperspektive eröffnet ein Feld, in dem das konstitutive Eingebettetsein des Menschen in die ‚Natur‘ und sein Verkörpertsein ‚als Natur‘ in den Blick kommt und in religiösen Interpretationen kritisch beschreibbar wird. Hintergrund bildet dabei ein weiter Begriff des Ökologischen, der ihn nicht auf biologistische Semantiken reduziert, sondern ihn u.a. im Sinne der evolutionären Selbstregulierungsmechanismen von Ökosystemen versteht, zu denen auch menschliche Lebenswelten gehören. Es ist gegenwärtig allerdings deutlich, dass die Erde selbst in bedrohlichem Maße anthropogen überformt ist, so dass unter ökosystemischen Gesichtspunkten nach einer neuen Anthropologie gefragt werden muss, die relational strukturiert ist und auf eine Verbundenheit von Organischem und Nicht-Organischem setzt: Nicht zuletzt der technologische Fortschritt hat zu Veränderungen geführt, die das ökologische Gleichgewicht und seine Selbstregulierungskräfte massiv gefährden und zerstören. Rhetoriken der Zeitenwende und ihre apokalyptischen Steigerungsformen nehmen diese Erfahrungen auf und verleihen ihnen politische Bedeutsamkeit. Religionsgemeinschaften sind Teil dieser Prozesse, in denen sich die differenzierten Verflechtungen von Kultur und Natur ereignen; sie treten dabei sowohl als Protagonisten als auch als Kritiker:innen und Krisenmarker des Anthropozentrismus auf. Dabei ist u.a. von Interesse, welche historisch wirksamen und konzeptionell einschlägigen Möglichkeiten die in den verschiedenen Religionen verankerten Symbole eröffnen, um Dualismen von Natur und Kultur (Recki 2021) zu überwinden und zu neuen Selbstdefinitionen des Menschen und seiner Stellung im Kosmos zu gelangen.